(un)abhängig – personal computer, quo vadis?

12.08.2019

Text: BOI Insights

Vom Versprechen der Unabhängigkeit zurück in die Anhängigkeit – eine kurze Geschichte des Personal Computers von BOI Software Engineer Dieter Müller-Wipperfürth

Am 12. August 1981, also heute vor genau 38 Jahren, kündigte IBM den „Personal Computer“ an, welcher dann im Herbst desselben Jahres auf dem US-amerikanischen Markt kam.

Das Versprechen war damals, Unabhängigkeit von den seit Jahrzehnten etablierten, dominierenden zentralen Großrechnern der großen Organisationen zu schaffen und Computerleistung bis ins eigene Heim der Menschen zu bringen, was letztendlich auch gelang – wenn auch nicht federführend dem Erfinder.

Aus heutiger Sicht wurde im Zuge der PC-Entwicklung viel Neues geschaffen, aber leider auch das Rad vielfach neu erfunden. Die Menschen gewöhnten sich bald an die Unzulänglichkeiten von PCs und frühen PC-Betriebssystemen und lernten die Tastenkombination Crtl-Alt-Del (Strg-Alt-Entf), die Reset-Taste und den Ein-/Ausschaltknopf (in dieser Reihenfolge) als wichtigste Notfallinstrumente kennen und zu schätzen.

Schon bald kam die Vernetzung von PCs auf und schuf viele neue Möglichkeiten, stiftete anfänglich aber auch Chaos. Die Konsequenz war die Rückverlagerung von Software und Daten auf zentrale Computer, diesmal „Server“ genannt, für die selbstverständlich der neue PC herangezogen wurde. Selbiger musste für seine neue Rolle als Zentralrechner an Zuverlässigkeit und Rechenleistung erst noch deutlich zulegen und von den ausgereiften Großrechnern lernen. In der weiteren Historie ist eine Pendelbewegung zwischen dezentraler und zentraler Positionierung wahrzunehmen.

Die Freigabe des Internets für private und kommerzielle Nutzung und das Aufkommen des World Wide Web waren in den 90-ern Treibfeder und Weichenstellung zugleich für die weitere Hard- und Softwareentwicklung des PCs – eigentlich der PCs, denn mittlerweile gab es unterschiedlichste Varianten für verschiedene Einsatzbereiche, aber alle basierend auf derselben Intel x86 Rechnerarchitektur.

Heute stehen wir bei dezentralen Apps auf mobilen Geräten, meist keine PCs im engeren Sinn, und zentralen bzw. vernetzen Cloud Servern, meist Abkömmlinge des ursprünglichen PCs. Diese Weiterentwicklung und Kombination unterschiedlicher Architekturkonzepte in Kombination mit dem gigantischen WWW bietet einerseits den Menschen fast unbegrenzte Möglichkeiten für die persönliche Nutzung, bequem und ohne großes Fachwissen, nimmt ihnen andererseits aber einen Großteil der Kontrolle: über ihre persönlichen Daten, aber auch über die Software auf ihrem nicht mehr ganz so „persönlichen Computer“.

Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung „persönlicher Computerei“ weitergeht.

 

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